Zahnersatz: Kronen, Brücken, Prothesen und Implantat-Versorgung Behandlungsgrundsätze der Prothetik nach den S3-Leitlinien der DGPro, DGI und DGZMK
Zahnersatz kommt erst, wenn die Grundlage stimmt: Entzündungen sind behandelt, nicht erhaltbare Zähne entfernt. Die Wahl zwischen Krone, Brücke, Prothese oder Implantat hängt von Ihren Zähnen, dem Knochen und Ihren Wünschen ab. Mehrere Wege sind oft gleichwertig.
Voraussetzungen vor dem Zahnersatz
Nach der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses werden nicht erhaltungswürdige Zähne und Wurzelreste entfernt und eine nötige Parodontalbehandlung durchgeführt, bevor der endgültige Zahnersatz hergestellt wird.
Karies und Entzündungen werden vorher behandelt.
Krone oder Teilkrone
Kronen und Brücken ersetzen verlorene Zahnhartsubstanz oder fehlende Zähne (S3-Leitlinie Vollkeramische Kronen und Brücken). Eine Krone kommt infrage, wenn eine Füllung nicht mehr genügend Halt gibt, der Zahn aber erhaltbar ist.
Brücke, Verbundbrücke, Teilprothese
Brücke: überbrückt eine Lücke mit Hilfe der Nachbarzähne. Diese Pfeilerzähne müssen dafür geeignet sein.
Verbundbrücke: verbindet einen eigenen Zahn mit einem Implantat. Die Prognose des Pfeilerzahns und die Möglichkeit, zusätzliche Implantate zu vermeiden, werden abgewogen.
Teilprothese: herausnehmbarer Ersatz, auch bei verkürzter Zahnreihe möglich. Die Leitlinie zur bilateral verkürzten Zahnreihe vergleicht verschiedene Prothesenformen und Implantatversorgungen.
Herausnehmbaren Zahnersatz sollten Sie nachts herausnehmen und in Reinigungslösung aufbewahren (ADA).
Implantatgetragener Zahnersatz
Bei zahnlosem Oberkiefer sind 5 bis 6 Implantate mit einteiliger Brücke eine Option (siehe Merkblatt Implantologie).
Bei dreigliedrigen bis viergliedrigen Seitenzahnbrücken auf Implantaten empfiehlt die Vollkeramik-Leitlinie Zirkonoxid.
Welche Zähne bekommen Zahnersatz, welche nicht?
Zahnersatz erhalten Zähne, die erhaltbar sind und eine tragfähige Basis haben. Zähne mit hoffnungsloser Prognose werden vorher entfernt. Fehlende Zähne ersetzen wir, wenn Kauen, Sprechen oder Aussehen beeinträchtigt sind oder Nachbarzähne wandern. Bei kleinen Lücken im hinteren Bereich kann es vertretbar sein, sie nicht zu schließen. Das klären wir individuell.
Auf einen Blick: Erhalten, ziehen oder ersetzen?
Situation
Was die Leitlinien nahelegen
Zahn mit Substanzverlust, aber erhaltbar
Krone oder Teilkrone, statt den Zahn zu entfernen.
Einzelne Lücke
Implantat, Brücke oder Teilprothese sind besprechbare Wege. Die Wahl hängt von Nachbarzähnen und Knochen ab.
Mehrere fehlende Zähne
Die EFP-Leitlinie empfiehlt, fehlende Zähne ab etwa fünf zu ersetzen, weil das die Lebensqualität verbessert.
Fortgeschrittene Parodontitis (Stadium IV)
Brücken zwischen Zahn und Implantat vermeiden, wenn Alternativen möglich sind.
Freiendlücke (hinten keine Zähne mehr)
Implantatbrücke oder Teilprothese mit Metallgerüst.
Zahn nicht erhaltbar
Vor dem endgültigen Zahnersatz entfernen, Parodontitis vorher behandeln.
Die Leitlinie zu Stadium-IV-Parodontitis empfiehlt, fehlende Zähne ab etwa fünf Zähnen zu ersetzen, weil das die Lebensqualität verbessert, mit festsitzendem oder herausnehmbarem, zahn- oder implantatgetragenem Ersatz. Bei Freiendlücken kommen implantatgetragener Ersatz oder Teilprothesen mit Metallgerüst infrage. Brücken, die Zahn und Implantat verbinden, sollen vermieden werden, wenn Alternativen möglich sind.
Festsitzender Ersatz fühlt sich natürlicher an, braucht aber tragfähige Pfeiler. Herausnehmbare Prothesen sind flexibler erweiterbar, brauchen jedoch sorgfältige Pflege und regelmäßige Anpassung.
Bei gesetzlich Versicherten erhalten Sie vor Beginn einen Plan mit Befund, Behandlung und Kostenanteil. Der Festzuschuss richtet sich nach dem Befund und nicht nach der gewählten Versorgung.
Prothetik: Lehre vom Zahnersatz. Pfeilerzahn: Zahn, der eine Brücke trägt. Verbundbrücke: Brücke auf Zahn und Implantat. Freiendlücke: Lücke ohne Zahn dahinter. Verkürzte Zahnreihe: Fehlende Backenzähne hinten. Festzuschuss: Fester Kassenanteil je Befund. Heil- und Kostenplan: Schriftlicher Behandlungs- und Kostenplan. Zirkonoxid: Sehr stabile Zahnkeramik.
DGPro, DGZMK: S3-Leitlinie Vollkeramische Kronen und Brücken, AWMF 083-012 (Stand 2021); S3-Leitlinie Prothetische Versorgung der bilateral verkürzten Zahnreihe, AWMF 083-044. · DGI, DGZMK: S3-Leitlinien Ersatz fehlender Zähne mit Verbundbrücken (083-031), Implantatprothetik im zahnlosen Oberkiefer (083-010), Vollkeramische festsitzende implantatgetragene Restaurationen (083-053, 2024). · Gemeinsamer Bundesausschuss: Richtlinien (zitiert nach zm-online 2023). · ADA: Clinical practice guidelines for recall and maintenance of patients with tooth-borne and implant-borne dental restorations, JADA 2016. · Herrera D et al.: Treatment of stage IV periodontitis, EFP S3 level clinical practice guideline, J Clin Periodontol 2022. · Helsedirektoratet (Norwegen): Nødvendig behandling, God klinisk praksis i tannhelsetjenesten. · Duodecim: Käypä hoito, Leitlinie zur Prothetik.
Wichtiger Hinweis: Dieser Text gibt allgemeine Behandlungsgrundsätze aus Leitlinien von Fachgesellschaften wieder. Er ersetzt keine Untersuchung. Ob Ihr Zahn erhalten, gezogen oder ersetzt wird, entscheiden wir gemeinsam mit Ihnen nach Untersuchung, Röntgenbild und Beratung in der Praxis. Stand: Oktober 2026.
Sie haben eine Frage? Sprechen Sie uns an – telefonisch unter 02451 616 888 oder per E-Mail.